Bis zu 4,6 Grad wärmer: Studie zeigt drastische Erwärmung Marokkos bis 2100

Foto: Houssain tork, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos Durchschnittstemperatur könnte bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 4,6 Grad Celsius steigen, sollten die weltweiten Treibhausgasemissionen in etwa auf ihrem derzeitigen Kurs bleiben. Das geht aus neuen Klimaprojektionen der US-Forschungsorganisation Berkeley Earth hervor, über die zuerst das Nachrichtenportal Hespress berichtete.

Realistisches Szenario mit deutlichen Folgen

Konkret gehen die Projektionen von einer Erwärmung um 4,55 Grad Celsius gegenüber dem Referenzwert des späten 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 2100 aus – und zwar im sogenannten SSP2-4.5-Szenario. Dieses beschreibt eine Zukunft, in der einzelne Länder zwar gewisse Fortschritte bei der Emissionsminderung erzielen, die globalen Emissionen bis zur Jahrhundertmitte aber insgesamt hoch bleiben. Berkeley Earth stuft dieses Szenario von den drei untersuchten Modellen als dasjenige ein, das dem aktuellen globalen Emissionspfad am nächsten kommt. Marokko hat bereits heute eine spürbare Erwärmung hinter sich: 2022 lag die Durchschnittstemperatur des Landes 2,45 Grad über dem historischen Referenzwert, im Zehnjahresmittel waren es 2,10 Grad.

Zwischen 3 und knapp 6,6 Grad – abhängig vom Weltklimakurs

Wie stark die Erwärmung tatsächlich ausfällt, hängt laut Berkeley Earth entscheidend vom weiteren Verlauf der globalen Emissionen ab. Im klimafreundlicheren Szenario SSP1-2.6, in dem die Treibhausgasemissionen rasch sinken und weltweit bis zur Jahrhundertmitte Netto-Null erreicht wird, würde sich Marokko bis 2100 um rund 3,04 Grad erwärmen. Im Hochemissionsszenario SSP3-7.0, in dem die internationale Gemeinschaft ihre Emissionen kaum eindämmt, könnte die Erwärmung dagegen bis zu 6,59 Grad erreichen. Zum Vergleich: Die weltweite Durchschnittserwärmung würde im selben Hochemissionsszenario global bei rund 3,6 Grad liegen – Marokko wäre demnach deutlich stärker betroffen als der globale Durchschnitt, da Landflächen sich generell schneller erwärmen als die Ozeane.

Geringer Anteil an globalen Emissionen, wachsende eigene Bilanz

Trotz der drohenden Erwärmung liegt Marokkos Pro-Kopf-CO2-Ausstoß bislang deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt. Das Land emittierte 2022 rund 68,6 Millionen Tonnen CO2, was etwa 1,83 Tonnen pro Kopf entspricht – der globale Durchschnitt liegt bei 4,66 Tonnen. Damit belegt Marokko international nur Platz 133 bei den Pro-Kopf-Emissionen, die kumulierten Emissionen des Landes summieren sich laut Berkeley Earth auf rund 1,88 Milliarden Tonnen. Allerdings zeigt der Trend nach oben: Zwischen 2010 und 2019 stiegen die Pro-Kopf-Emissionen Marokkos den Angaben zufolge um durchschnittlich 0,028 Tonnen pro Jahr. Die Projektionen verdeutlichen damit, dass Marokkos künftiges Klima nicht allein von der eigenen Emissionspolitik abhängt, sondern maßgeblich davon, wie viele Treibhausgase weltweit in den kommenden Jahrzehnten noch ausgestoßen werden.

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