
Der chinesische Textilkonzern Shengtai Intelligent Manufacturing Group hat von den chinesischen Behörden grünes Licht für sein geplantes „Green Textile Industrial Park“-Projekt in Marokko erhalten. Wie das Unternehmen mitteilte, stellte das Handelsministerium der Provinz Hunan ein Zertifikat für Auslandsinvestitionen aus, zusätzlich liegt eine Genehmigung der Entwicklungs- und Reformkommission der Provinz vor. Das Gesamtinvestitionsvolumen ist auf umgerechnet rund 2,29 Milliarden Dirham (etwa 229 Millionen US-Dollar) gedeckelt, wobei die tatsächliche Summe vom endgültigen Projektumfang abhängt.
Zwei Standorte, komplette Wertschöpfungskette
Die geplanten Werke sollen sich auf die Städte Fès und Skhirat verteilen und die gesamte Textil-Produktionskette abdecken – von der Garnherstellung bis zum fertigen Kleidungsstück. Bei voller Auslastung sollen die Anlagen jährlich 100.000 Spindeln Baumwollgarn, 10.800 Tonnen gefärbte und veredelte Stoffe, 15 Millionen Meter Webstoffe sowie 22 Millionen Kleidungsstücke produzieren. Der Bau soll in mehreren Phasen über bis zu fünf Jahre erfolgen und laut Unternehmensangaben rund 7.000 direkte sowie 1.500 indirekte Arbeitsplätze schaffen. Shengtai mit Sitz in Ningbo betreibt bereits Textilfabriken in China, Vietnam und Mittelamerika und beliefert unter anderem Marken wie Ralph Lauren, Lacoste und Hugo Boss.
Teil einer größeren chinesischen Textil-Welle
Shengtais Vorhaben ist nicht die einzige chinesische Großinvestition dieser Art in den beiden Städten: Erst kurz zuvor hatte die Sunrise Garment Group eine Investitionsvereinbarung über 2,3 Milliarden Dirham für zwei weitere Textilwerke ebenfalls in Fès und Skhirat unterzeichnet, die zusätzlich rund 8.500 Arbeitsplätze schaffen sollen. Marokkos Textil- und Bekleidungssektor beschäftigt bereits heute mehr als 200.000 Menschen in über 1.600 Betrieben und exportiert jährlich Waren im Wert von mehr als 44 Milliarden Dirham. Das Land setzt gezielt auf ausländische Fertigungsansiedlungen, um seine industrielle Basis über die bereits etablierte Automobilbranche hinaus zu verbreitern.
Tanger Med und Handelsabkommen als Standortvorteile
Für internationale Textilkonzerne spricht vor allem die geografische Nähe Marokkos zu Europa: Über den Hafen Tanger Med erreichen Waren europäische Märkte in zwei bis drei Tagen, während Lieferungen aus Ostasien mehrere Wochen benötigen. Hinzu kommen Freihandelsabkommen mit der EU, den USA und mehreren afrikanischen Ländern sowie eine bereits vorhandene Infrastruktur und Fachkräftebasis. Fès verfügt zudem über eingespielte Ausbildungszentren für die Textilbranche, während Skhirat an das Straßen- und Logistiknetz zwischen Rabat und Casablanca angebunden ist. Für Shengtai dürfte die durchgängige Fertigungskette vom Garn bis zum fertigen Kleidungsstück zudem helfen, europäische Ursprungsregeln für Textilprodukte zu erfüllen.
Quellen: Morocco World News, 7News Morocco


