
Marokkos neue Regierung hat ihre wirtschaftspolitische Marschroute vorgelegt: Regierungschefin Fatima Ezzahra El Mansouri kündigte am 19. Oktober vor dem Parlament in Rabat an, die Wirtschaft solle von 2027 bis 2031 im Schnitt um fünf Prozent pro Jahr wachsen. Die Ziele sind Teil der siebten Priorität des Regierungsprogramms, überschrieben mit dem Aufbau einer starken Wirtschaft zur Finanzierung der sozialen und souveränen Ambitionen des Landes.
Fünf Kernziele bis 2031
Neben dem Wachstum nennt das Programm vier weitere Zielmarken: eine jährliche Inflation von rund zwei Prozent, ein Haushaltsdefizit von etwa drei Prozent der Wirtschaftsleistung über den gesamten Zeitraum 2026 bis 2031 und einen Rückgang der Staatsverschuldung auf rund 62 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2031. Zudem soll der Privatsektor künftig zwei Drittel der nationalen Investitionen tragen. Ausgangswerte nannte der Bericht zu den Zielen nicht; zuletzt hatten internationale Institutionen für 2026 Wachstum von rund 4,4 bis 4,5 Prozent erwartet.
Mehr Wertschöpfung, weniger Importe
Inhaltlich setzt die Regierung auf Wachstum, das mehr Arbeitsplätze schafft und Marokko unabhängiger vom Import fertiger Produkte macht. Genannt werden eine stärkere industrielle und inländische Produktion, wirtschaftliche Diversifizierung, der Ausbau technologischer Fähigkeiten, die Energiewende sowie „digitale und wissenschaftliche Souveränität“. Hinzu kommen die weitere Modernisierung der Landwirtschaft und mehr Investitionen in Infrastruktur und produktive Sektoren.
Für den Tourismus nennt das Programm eine Roadmap für 2027 bis 2030 mit dem Ziel von 26 Millionen Besuchern bis 2030. Gefördert werden sollen außerdem Genossenschaften, die Sozial- und Solidarwirtschaft sowie die „Sportökonomie“. Privatinvestitionen will die Regierung über die Investitionscharta, eine schnellere Umsetzung bereits vertraglich vereinbarter Projekte und Reformen der regionalen Investitionszentren anschieben. Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen sollen leichter an Finanzierung, Garantien und öffentliche Aufträge kommen.
Finanzierung und Staatsunternehmen
Zur Finanzierung will die Regierung enger mit dem Finanzsektor zusammenarbeiten, um Bank- und Nichtbankkredite für Industrie, Innovation und Exporte auszuweiten. Heimische Ersparnisse, vor allem institutionelle, sollen stärker mobilisiert und die Finanzmärkte belebt werden. Das Portfolio öffentlicher Beteiligungen soll beschleunigt umstrukturiert werden, einschließlich der Finanzlage staatlicher Einrichtungen und Unternehmen.
Auf der Einnahmeseite plant das Kabinett, die Steuerbasis zu verbreitern, die Effizienz der Staatsausgaben über eine Reform des Organischen Finanzgesetzes zu steigern und höhere Beiträge öffentlicher Unternehmen zu erzielen. Wie die Vorhaben konkret in den Haushalt 2027 einfließen, dürfte sich in den kommenden Wochen in der parlamentarischen Beratung zeigen.
Quellen: Morocco World News


