
Plastikmüll kostet Marokko jedes Jahr rund 12 Milliarden Dirham – umgerechnet etwa 1,2 Milliarden US-Dollar oder 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Greenpeace Naher Osten und Nordafrika, die im September veröffentlicht wurde und Anfang Oktober in marokkanischen Medien breit aufgegriffen wird.
Eine Rechnung mit großer Spanne
Die Autoren beziffern die jährlichen Kosten auf 7,5 bis 25 Milliarden Dirham, also 0,75 bis 2,5 Milliarden Dollar. Eingerechnet sind unter anderem Folgen für Umwelt und Gesundheit sowie wirtschaftliche Einbußen. Auf lange Sicht summiert sich die Belastung demnach erheblich: Bis 2040 könnten sich die Kosten auf 134 bis 443 Milliarden Dirham (13,4 bis 44,3 Milliarden Dollar) belaufen.
Die Studie nennt außerdem Zahlen zum Abfallaufkommen: Marokko erzeugt jährlich rund 3,97 Millionen Tonnen Siedlungsabfall, davon etwa 422.000 Tonnen Plastik. Rund 250.000 Tonnen davon werden nicht ordnungsgemäß entsorgt, etwa 75.000 Tonnen gelten als meerbezogen – das entspricht 17,8 Prozent des gesamten Plastikaufkommens.
Stadt-Land-Gefälle bei der Müllabfuhr
Besonders deutlich wird das Problem bei der Müllsammlung. Während in den Städten laut den für 2019 angegebenen Daten rund 96 Prozent der Abfälle eingesammelt werden, sind es auf dem Land lediglich etwa 10 Prozent. Wo keine Abfuhr existiert, landet Plastik häufig in der Landschaft, in Flussläufen und schließlich im Meer.
Forderungen von Greenpeace
Die Umweltorganisation empfiehlt, die bereits geplanten 23 Sortierzentren tatsächlich in Betrieb zu nehmen und die Müllabfuhr auf ländliche Regionen auszuweiten. Zudem soll eine Roadmap die Arbeit der informellen Müllsammler formalisieren, die einen großen Teil des Recyclings tragen. Auf internationaler Ebene spricht sich Greenpeace dafür aus, im Rahmen eines globalen Plastikabkommens die Produktion von Plastik zu begrenzen.
Die Studie reiht sich in eine Reihe von Debatten über Marokkos Umwelt- und Infrastrukturpolitik ein. Zuletzt hatte die Stadt Casablanca den Bau eines Müllverbrennungskraftwerks vergeben und Großprojekte zur Abfallverwertung angekündigt. Ob die Zahlen aus der Greenpeace-Studie politische Konsequenzen haben, ist bislang offen; eine Stellungnahme der Regierung lag zum Redaktionsschluss nicht vor.
Quellen: Morocco World News


