
Marokko arbeitet an einer neuen Naturschutzstrategie für das nächste Jahrzehnt: Am heutigen Mittwoch kommen in Rabat Vertreter mehrerer Akteure zusammen, um Vorschläge der Zivilgesellschaft für die nationale Biodiversitätsstrategie und den Aktionsplan 2026–2035 zu sammeln. Das meldet Hespress in seiner Presseschau. Danach soll das Dokument abschließend ausgearbeitet werden.
Sechs Handlungsfelder im Entwurf
Federführend ist das Ministerium für Energiewende und nachhaltige Entwicklung, unterstützt vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP. Bereits im März stellte die Abteilung für nachhaltige Entwicklung bei einem Workshop mit Mitgliedern der Nationalen Biodiversitäts-Unterkommission, Ministerien, Institutionen und Fachleuten Methodik und Aufbau vor. Der Entwurf gliedert sich demnach in sechs strategische Achsen: Schutz, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung von Ökosystemen, die Einbindung der Biodiversität in Produktionssektoren, Stadt-, Küsten- und Feuchtgebietsnatur, Governance und Beteiligung, Wissen und Informationssysteme sowie Finanzierung.
Als Leitbild nennen die Beteiligten, den Verlust der biologischen Vielfalt umzukehren, Ökosysteme dauerhaft wiederherzustellen und Marokko als regionales wie internationales Vorbild für die Verbindung von Naturschutz und nachhaltiger Entwicklung zu positionieren. Betont wurden zudem Elemente der grünen und blauen Wirtschaft.
Was die Teilnehmer fordern
Im Workshop wurde vor allem eine bessere Abstimmung zwischen zentraler und territorialer Ebene verlangt. Regionalräte und lokale Akteure sollen eine größere Rolle spielen, die Biodiversität soll in die regionalen Entwicklungspläne einfließen. Weitere Prioritäten sind eigene, dauerhafte Finanzierungsmechanismen, der Ausbau personeller und institutioneller Kapazitäten, ein stärkeres Engagement des Privatsektors und ein nationales Monitoring-System, das mit bestehenden Systemen kompatibel ist. Konkrete Haushaltszahlen oder quantitative Zielmarken nennen die zugänglichen Unterlagen bislang nicht.
Internationale Verpflichtungen
Die Arbeiten stützen sich auf Marokkos Verpflichtungen aus dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt und orientieren sich am Globalen Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal aus dem Jahr 2022. Wie die Zeitung Le Matin bereits im Oktober 2025 berichtete, hat Marokko dafür 25 neue nationale Biodiversitätsziele formuliert. Prioritäten sind dort unter anderem die Wiederherstellung von Ökosystemen, der Kampf gegen invasive Arten und die Mobilisierung nachhaltiger Finanzierung. Gender, Jugend und Menschenrechte sollen als Querschnittsthemen berücksichtigt werden.
Nach der Konsultation will die Abteilung für nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit ihren Partnern die Empfehlungen in die überarbeitete Strategie einarbeiten. Schriftliche Beiträge sind weiterhin möglich.
Quellen: Hespress FR, Clearing-House Mechanism Marokko, Le Matin


