Marokkos Hochgeschwindigkeitsnetz wächst: Baufortschritt bei Kénitra–Marrakesch, Studien für Marrakesch–Agadir fertig

Zug der marokkanischen Eisenbahngesellschaft ONCF am Bahnhof Tanger

Marokko treibt den Ausbau seines Hochgeschwindigkeitsschienennetzes weiter voran. Wie der marokkanische Transport- und Logistikminister Abdessamad Kayouh im Mai 2026 mitteilte, hat der Bau der neuen Strecke zwischen Kénitra und Marrakesch inzwischen einen Fortschritt von rund 30 Prozent erreicht. Ist die Strecke fertiggestellt, soll die Fahrzeit zwischen den beiden Städten von derzeit rund sechs Stunden auf etwa zweieinhalb Stunden sinken – die Inbetriebnahme ist bis 2030 vorgesehen.

Für den nächsten Bauabschnitt, die Verlängerung von Marrakesch bis Agadir, sind die Vor- und Ausführungsstudien nun abgeschlossen. Das Vorhaben gilt als besonders anspruchsvoll, da die Strecke den Hohen Atlas queren muss: Rund 70 Prozent der Bauarbeiten entfallen auf Brücken und Tunnel. Geplant sind Bahnhöfe in Marrakesch, Chichaoua und Agadir. Die Kosten für diesen Abschnitt werden auf rund 55 Milliarden Dirham geschätzt, für die Marokko derzeit internationale Finanzierungspartner sucht.

Marokko betreibt bereits die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke Afrikas, den „Al Boraq“ zwischen Tanger und Casablanca via Rabat und Kénitra. Mit der Erweiterung nach Süden soll das Netz künftig auch die touristisch und wirtschaftlich bedeutenden Regionen um Marrakesch und Agadir direkt anbinden.

Der Ausbau ist Teil einer umfassenden Infrastrukturoffensive, mit der sich Marokko auf die gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgerichtete Fußball-Weltmeisterschaft 2030 vorbereitet. Neben dem Schienennetz betrifft dies auch Häfen, Straßen, Flughäfen und Krankenhäuser, für die im laufenden Jahr zahlreiche Großprojekte angeschoben wurden.

Quelle: Ministère du Transport et de la Logistique / marokkanische Wirtschaftspresse

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