
Einen Tag nach der Eröffnung der Parlamentssession nimmt die Regierungsbildung in Rabat konkretere Formen an: Medienberichten zufolge zeichnet sich eine erste Aufteilung von rund 25 Ministerposten zwischen der siegreichen PAM und ihren möglichen Koalitionspartnern ab. Offiziell bestätigt ist davon nichts – alle Angaben stützen sich auf nicht namentlich genannte Quellen aus dem Umfeld der Verhandlungen.
Was berichtet wird
Laut dem Portal Le7tv vom 9. Oktober könnte die PAM neben dem Amt der Regierungschefin, das Fatima Ezzahra El Mansouri übernehmen soll, acht Ressorts erhalten. Die Istiqlal-Partei käme demnach auf sechs, die sozialistische USFP und die Fortschritts- und Sozialismuspartei (PPS) auf jeweils drei Posten. Die Zahlen umfassen sowohl Ministerien als auch beigeordnete Ministerämter. Die Quelle selbst betont, diese Gewichtungen blieben „provisoire“, also vorläufig.
Belpresse hatte am 8. Oktober berichtet, Istiqlal-Chef Nizar Baraka habe das Treffen mit El Mansouri im PAM-Hauptquartier am 7. Oktober „zufrieden“ verlassen; seine Partei könne demnach „mindestens sechs“ Ressorts bekommen, darunter Ausrüstung und Wasser, Verkehr sowie Handel und Industrie. Ein früherer Belpresse-Bericht vom 7. Oktober nannte noch etwas andere Zahlen (PAM 7, Istiqlal 5, USFP 3, PPS 2) – ein Hinweis darauf, wie fließend die Lage ist.
Souveränitätsressorts bleiben außen vor
Nicht Teil der parteipolitischen Verteilung sollen Inneres, Äußeres, Afrikanische Zusammenarbeit und Auslandsmarokkaner, Habous und Islamische Angelegenheiten, das Generalsekretariat der Regierung sowie die Landesverteidigung sein. Gesundheit, Bildung und Beschäftigung würden demnach nicht an parteilose Technokraten, sondern an Parteivertreter gehen. Die PAM soll zudem den Vorsitz der zweiten Kammer, des Rats der Räte, anstreben.
Rechnerisch käme das Vier-Parteien-Bündnis auf 207 der 395 Sitze im Abgeordnetenhaus und läge damit über der absoluten Mehrheit von 198. Die Nationalrats- und Politbüro-Beschlüsse von Istiqlal und USFP sowie die Linie des PPS-Zentralkomitees ebnen diesen Weg; die RNI, bislang Regierungspartner, würde in die Opposition rücken. Die Mouvement Populaire hatte sich bereits für die Opposition entschieden.
Was noch offen ist
Noch stehen weder die endgültige Ministerliste noch die Regierungserklärung. Die Minister ernennt der König; anschließend muss die Regierung vor dem Parlament ihr Programm vorstellen und sich das Vertrauen der Abgeordneten mit absoluter Mehrheit sichern. Zeitdruck macht der Haushalt 2027, den die neue Regierung bis zum 20. Oktober vorlegen muss. Ob die Regierung schon in den kommenden Tagen steht, ist offen; Beobachter sprechen von einer „entscheidenden Phase“.
Quellen: Le7tv, Belpresse (Istiqlal), Belpresse (Ministerien), Le7tv (Verfahren)


