
Marokkos neue Regierung rückt von einem der größten Wahlversprechen der Wahlsiegerin PAM ab: Das Regierungsprogramm 2026 bis 2031 sieht keine Einkommensteuerbefreiung für Bruttogehälter unter 15.000 Dirham im Monat vor. Das berichten TelQuel am 21. Oktober und Médias24 am 20. Oktober. Stattdessen setzt das Programm auf eine schrittweise Entlastung über fünf Jahre.
Was das Programm stattdessen vorsieht
Nach den Berichten soll die Obergrenze der steuerfreien Einkommensstufe von 40.000 auf 60.000 Dirham im Jahr steigen, das entspricht 5.000 Dirham im Monat. Die Zahl der Steuerstufen soll von fünf auf drei sinken, mit Sätzen von 10, 20 und 30 Prozent. Der Spitzensteuersatz fällt damit von 37 auf 30 Prozent. Die Reform soll von 2027 bis 2031 stufenweise umgesetzt werden, nachdem Kosten und Auswirkungen bewertet wurden. Flankiert wird sie von einer breiteren Steuerbasis und einem schärferen Vorgehen gegen Steuerbetrug. Das Programm spricht laut TelQuel von einer „progressiven Reform“ zur Entlastung von Arbeitnehmern und Mittelschicht.
Médias24 weist darauf hin, dass sich die Zahlen nicht direkt vergleichen lassen: Die neue Schwelle gilt für das jährliche Netto-Einkommen, das PAM-Versprechen bezog sich auf das monatliche Bruttogehalt. Zwischenschritte und Änderungen an kommenden Haushaltsgesetzen nennt das Programm demnach nicht.
Was die PAM im Wahlkampf versprochen hatte
Die Partei hatte am 1. September in Rabat ihren „Pakt für Kaufkraft“ vorgestellt. Er sah drei statt sechs Steuerstufen vor: 0 Prozent bis 15.000 Dirham brutto im Monat, 10 Prozent zwischen 15.000 und 46.000 Dirham und 20 Prozent darüber. Der Spitzensatz sollte auf 20 Prozent sinken. Die PAM sagte, davon würde die „überwältigende Mehrheit der Beschäftigten“ profitieren. Le360 bezifferte die Einnahmeausfälle dieses Modells nach eigenen Simulationen auf mehr als 30 Milliarden Dirham jährlich. Zum Vergleich: Die Reform von 2025 war auf rund sieben Milliarden Dirham veranschlagt worden. Médias24 kommt für das PAM-Modell ebenfalls auf rund 30 Milliarden; für die neue Regierungsvariante gibt es bislang keine offizielle Kostenschätzung.
Offene Fragen vor dem Haushalt 2027
Das Programm hatte Regierungschefin Fatima Ezzahra El Mansouri am 19. Oktober vor beiden Parlamentskammern vorgestellt. Die Koalition aus PAM, Istiqlal, USFP und PPS verfügt über 207 der 395 Sitze. Warum das 15.000-Dirham-Versprechen entfiel, erklärt das Programm nicht; die Quellen nennen keinen Grund. Gesichert ist nur der Unterschied zwischen Wahlkampfansage und Regierungsplan. Wie viel davon in den Haushalt 2027 einfließt, dürfte sich in den kommenden Wochen in den parlamentarischen Beratungen zeigen.


