UN-Vermittler warnt vor Kollaps der Gaza-Waffenruhe – Marokkos Rolle in Stabilisierungstruppe gewürdigt

Außenminister Nasser Bourita vor der marokkanischen Flagge
Foto: Mohamed Abbassi, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Der Hochbeauftragte des sogenannten Board of Peace, Nikolay Mladenov, hat am Freitag eindringlich vor einem Scheitern der Waffenruhe in Gaza gewarnt. In einem Interview mit Al Jazeera erklärte er, die mangelnde Umsetzung des Friedensfahrplans durch beide Seiten drohe „einen Kollaps der Waffenruhe in Gaza“ auszulösen. Es gebe „keine bessere Alternative zum aktuellen Plan“, so Mladenov weiter, eine Rückkehr zum Krieg wäre „verheerend“. In seiner Bestandsaufnahme hob der bulgarische Diplomat auch die Rolle Marokkos bei der internationalen Stabilisierungstruppe (ISF) für den Gazastreifen hervor.

Marokko als erstes arabisches Land in der Stabilisierungstruppe

Marokko hatte bereits am 15. Juli 2026 in Rabat ein Abkommen zur Teilnahme an der ISF unterzeichnet und ist damit das erste arabische Land, das sich an der Truppe beteiligt. Die Königlichen Streitkräfte (FAR) stellen nach Angaben aus dem Umfeld des Außenministeriums rund 500 Soldaten für den Einsatz bereit, dazu kommen Gendarmerie- und Polizeikräfte sowie ein militärisches Feldlazarett. Hochrangige marokkanische Offiziere sind zudem im gemeinsamen Kommando der Truppe vertreten, und ein erster Ausbildungszyklus für die multinationale Truppe fand bereits auf marokkanischem Boden statt. Die Entscheidung fiel auf Anweisung von König Mohammed VI., federführend umgesetzt von Außenminister Nasser Bourita und dem Generaldirektor der Nationalen Verteidigungsverwaltung, Abdellatif Loudiyi.

Zielgröße von 20.000 Soldaten, Streit um türkische Beteiligung

Die ISF soll nach dem vom Board of Peace ausgearbeiteten 15-Punkte-Fahrplan perspektivisch auf rund 20.000 Soldaten und 12.000 ausgebildete Polizeikräfte anwachsen und zunächst im Sektor Rafah operieren. Neben Marokko beteiligen sich bislang Kosovo, Kasachstan und Albanien aktiv an der Truppe. Mladenov bestätigte zudem, dass die Türkei wegen eines israelischen Vetos gegen Ankaras Beteiligung nicht Teil der Truppe sein wird – ein Streitpunkt, der die diplomatischen Spannungen um den Fahrplan zusätzlich verschärft. Erste Vorausabteilungen der ISF sollten nach seinen Angaben in Kürze eintreffen.

Israels Regierung lehnt Fahrplan ab, Vermittler bleiben aktiv

Nach Angaben Mladenovs lehnt die israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den vorliegenden Fahrplan bislang ab, was die Umsetzung zusätzlich erschwert. Parallel liefen zuletzt Vermittlungsgespräche auf mehreren Ebenen: Der US-Sondergesandte Jared Kushner besuchte die Region, während der Chef des ägyptischen Geheimdienstes, Hassan Rashad, mit dem politischen Hamas-Chef Khalil al-Hayya zusammentraf. Für Marokko, das seine sicherheitspolitische Rolle in der Region seit Jahren gezielt ausbaut, ist das Engagement in der Stabilisierungstruppe ein weiterer sichtbarer Baustein seiner internationalen Militärdiplomatie – auch wenn der Ausgang des Gaza-Fahrplans nach Mladenovs Warnung weiterhin offen bleibt.

Quellen: Morocco World News, Al Jazeera

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