Weltbank: 43 Prozent von Marokkos Hochschulabsolventen arbeiten unter ihrer Qualifikation

Foto: Ftpmail, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Ein neuer Weltbank-Bericht zeichnet ein differenziertes Bild von Marokkos Arbeitsmarkt: Trotz solidem Wirtschaftswachstum sind rund 43 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen in Jobs beschäftigt, für die sie überqualifiziert sind. Der Bericht mit dem Titel „Scaling the Atlas: Growth and Jobs for a Prosperous Morocco“ spricht von einer Fehlallokation sowohl öffentlicher Investitionen als auch individueller Anstrengungen.

Fast jeder Zweite unter 25 nicht voll im Arbeitsmarkt integriert

Besonders deutlich wird das Problem bei einer breiteren Betrachtung der Erwerbstätigkeit: Rechnet man Unterbeschäftigte und entmutigte, nicht mehr aktiv Arbeitsuchende hinzu, liegt die landesweite Rate ungenutzter Arbeitskraft laut Weltbank bei 22,5 Prozent. Bei den 15- bis 24-Jährigen steigt dieser Wert auf 45,3 Prozent – nahezu die Hälfte dieser Altersgruppe ist damit nicht vollständig in den Arbeitsmarkt eingebunden, ein deutlich höherer Wert als die offizielle Arbeitslosenquote allein vermuten lässt.

Fehlende Berufserfahrung als zentrale Hürde

Als einen der wichtigsten strukturellen Gründe identifiziert der Bericht die Erfahrungslücke: Mehr als 56 Prozent der Befragten mit Bildungsabschluss oberhalb der Sekundarstufe nannten fehlende Berufserfahrung als Haupthindernis bei der Jobsuche – ein klassisches Henne-Ei-Problem für Berufseinsteiger. Die Weltbank empfiehlt, das Bildungssystem stärker an den tatsächlichen Bedarf der Wirtschaft anzupassen, und verweist insbesondere auf mittelqualifizierte Berufe als jenen Bereich, in dem Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt am zuverlässigsten zusammenpassen und Beschäftigungsgewinne am wahrscheinlichsten realisiert werden können.

Strukturreformen als Schlüssel für mehr private Investitionen

Der Bericht ordnet sich in eine umfassendere Weltbank-Einschätzung ein, wonach Marokko sein Wachstum beschleunigen und Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen könnte – vorausgesetzt, Strukturreformen erleichtern private Investitionen und schaffen bessere Übergänge zwischen Ausbildung und Beruf. Für die politisch Verantwortlichen in Rabat liefert die Studie damit zusätzlichen Druck, die Diskrepanz zwischen Hochschulabschlüssen und tatsächlicher Arbeitsmarktnachfrage entschlossener anzugehen, gerade vor dem Hintergrund der ohnehin hohen Jugendarbeitslosigkeit im Land.

Quellen: 7News Morocco, World Bank

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