
Die Zahl der Scheidungen und gerichtlichen Trennungen in Marokko ist 2025 wieder gestiegen. Nach Angaben des Obersten Rates der Justiz (Conseil supérieur du pouvoir judiciaire) registrierten die Gerichte im vergangenen Jahr insgesamt 154.377 Fälle – 6.482 mehr als 2024, was einem Plus von 4,38 Prozent entspricht. Die Daten stammen aus dem Jahresbericht des Rates für 2025, der kürzlich im Amtsblatt veröffentlicht wurde.
Nach Rückgang 2024 wieder aufwärts
Die Entwicklung verlief zuletzt nicht linear: 2023 hatten die Gerichte noch 151.168 Fälle erfasst, 2024 sank die Zahl auf 147.895 (minus 2,17 Prozent). Der Anstieg 2025 hebt das Niveau damit über den Stand von vor zwei Jahren. Die Statistik fasst zwei Kategorien zusammen: Scheidungen im engeren Sinn sowie gerichtliche Trennungen.
Den weitaus größeren Teil machen die Trennungen aus. Ihre Zahl lag 2023 bei 111.140, fiel 2024 auf 107.681 (minus 3,11 Prozent) und stieg 2025 auf 112.911 – ein Zuwachs von 5.230 Fällen oder 4,86 Prozent. Die Scheidungen bewegten sich mit rund 40.000 pro Jahr auf deutlich niedrigerem Niveau: 40.028 im Jahr 2023 und 40.212 im Jahr 2024 (plus 0,46 Prozent).
Fast alle Scheidungen einvernehmlich
Bei den Scheidungen dominiert die einvernehmliche Variante. 2025 entfielen 40.211 Fälle darauf, das sind 96,97 Prozent; 2024 waren es 38.858 (96,63 Prozent), 2023 38.783 (96,89 Prozent). Scheidungen vor Vollzug der Ehe machten 2025 mit 1.173 Fällen 2,83 Prozent aus. Widerrufliche Scheidung, Khul‘ und Tamlik spielten mit jeweils weniger als 100 Fällen kaum eine Rolle; zusammen kamen sie in allen drei Jahren auf rund 0,3 Prozent.
Bei den gerichtlichen Trennungen ist der Streit der Eheleute („Shiqaq“) der mit Abstand häufigste Grund: 110.454 Fälle im Jahr 2025, also 97,82 Prozent, nach 97,42 Prozent im Vorjahr. Alle übrigen Gründe – darunter Schädigung, Abwesenheit, ausbleibender Unterhalt, körperliche Mängel oder die Verletzung vertraglicher Bedingungen durch den Ehemann – kommen zusammen auf weniger als zwei Prozent.
Warum der Justizrat von einer Verschiebung spricht
Der Rat wertet die Zahlen als Hinweis darauf, dass die einvernehmliche Scheidung zur häufigsten Form wird, eine Ehe zu beenden. Er führt das teils auf die Flexibilität des Verfahrens und die Einigung der Ehepartner zurück. Das könne Konflikte begrenzen und die sozialen und psychologischen Folgen einer Trennung verringern, insbesondere für Kinder. Namentlich genannte Verantwortliche zitiert der Bericht in diesem Zusammenhang nicht.
Die Zahlen zeigen zugleich, wie stark das marokkanische Familienrecht auf das Verfahren der gerichtlichen Trennung setzt, bei dem ein Ehegatte wegen Zerwürfnisses die Auflösung beantragt. Ob der Anstieg 2025 einen neuen Trend markiert oder eine Schwankung bleibt, lässt sich erst mit den Daten der kommenden Jahre beurteilen.
Quellen: Hespress English


