
Marokko will seine Rüstungsvorhaben für die kommenden Jahre deutlich ausweiten: Der Entwurf des Finanzgesetzes 2027 hebt die Obergrenze für Vorabverpflichtungen im Verteidigungsbereich auf 190,5 Milliarden Dirham an, umgerechnet rund 19 Milliarden US-Dollar. Das sind etwa 21,2 Prozent mehr als im laufenden Jahr.
Ein Plus von 33 Milliarden Dirham
Laut Entwurf (Gesetzentwurf Nr. 60.26, Artikel 36), den Wirtschafts- und Finanzminister Fouzi Lekjaa dem Parlament vorgelegt hat, darf die Verwaltung der Landesverteidigung 2027 Verpflichtungen eingehen, die erst 2028 haushaltswirksam werden. Die Obergrenze steigt um 33,3 Milliarden Dirham gegenüber den 157,2 Milliarden des Finanzgesetzes 2026. Sie war 2024 noch bei 124,8 Milliarden und 2025 bei 133,5 Milliarden Dirham gelegen. Billigt das Parlament den Wert, liegt er rund 52,7 Prozent über dem von 2024.
Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich um eine Ermächtigung für künftige Zahlungsverpflichtungen für Beschaffung, Instandhaltung und den Aufbau der Rüstungsindustrie – nicht um Ausgaben, die 2027 vollständig abfließen. Auf das Haushaltsjahr 2027 entfallen laut Entwurf 11,49 Milliarden Dirham im Sonderkonto für Militärgerät und Verteidigungsindustrie.
Weitere Posten im Verteidigungsetat
Das allgemeine Budget der Verteidigungsverwaltung sieht 49,34 Milliarden Dirham für Personal und 8,38 Milliarden Dirham für Ausrüstung und sonstige Betriebskosten vor. Für Investitionen sind 7,2 Milliarden Dirham an Zahlungsmitteln 2027 sowie 8 Milliarden Dirham an Verpflichtungen für 2028 und später eingeplant. Zudem sollen 5.500 neue Planstellen entstehen.
Weg vom Importeur zum Hersteller
Parallel will Rabat die heimische Rüstungsproduktion ausbauen. Bei der Marrakech Airshow am 7. Oktober skizzierte der beigeordnete Minister für die Verwaltung der Landesverteidigung, Abdeltif Loudyi, das Ziel, Militärgüter künftig verstärkt im Land selbst zu fertigen – gestützt auf ausländische Investitionen, Technologietransfers und Industriepartnerschaften. Rechtsgrundlage ist das Gesetz 10.20 von 2020; ein Dekret von 2024 schuf zwei Beschleunigungszonen für die Verteidigungsindustrie.
Konkrete Projekte gibt es bereits: Tata Advanced Systems eröffnete im September 2025 in Berrechid eine Fabrik für Panzerfahrzeuge, und auf der Airshow wurde mit dem französischen Unternehmen Harmattan AI eine Vereinbarung zur Entwicklung und Fertigung der Langstrecken-Angriffsdrohne IRIFI in Marokko unterzeichnet. König Mohammed VI. hatte in seiner Thronrede am 29. Juli nationale Souveränität und strategische Selbstversorgung als Prioritäten genannt und den Aufbau einer industriellen und technologischen Basis in Verteidigung und Cybersicherheit gefordert.
Das Parlament muss den Finanzgesetzentwurf noch beraten und verabschieden. Die neue Regierung unter Ministerpräsident El Mansouri hat ihr Programm erst in dieser Woche durch die Abgeordnetenkammer bringen lassen; der Haushalt 2027 ist ihre erste große Bewährungsprobe.
Quellen: Morocco World News


