Direkthilfe soll sich verdoppeln: Was Marokkos neue Regierung Haushalten, Rentnern und Jugendlichen verspricht

Das Parlamentsgebäude in Rabat mit marokkanischen Flaggen vor dem Eingang
Foto: Taha ahh, Lizenz CC0 1.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos neue Regierung verspricht einen Ausbau des Sozialstaats: Die monatliche staatliche Direkthilfe für bedürftige Haushalte soll bis zum Ende der Legislaturperiode von 500 auf 1.000 Dirham (rund 100 US-Dollar) verdoppelt werden. Das geht aus dem Regierungsprogramm 2026 bis 2031 hervor, das Regierungschefin Fatima Ezzahra El Mansouri am 19. Oktober in einer gemeinsamen Sitzung beider Parlamentskammern vorstellte.

Hilfe nach tatsächlichem Einkommen

Zugleich soll sich die Berechnung der Hilfe ändern: Statt des sozioökonomischen Index des Einheitlichen Sozialregisters (RSU) soll künftig das tatsächliche Haushaltseinkommen den Anspruch bestimmen. Das Programm beschreibt die Unterstützung als „Hebel zur Integration“ und kündigt einen breiteren Zugang zur Arbeitslosenentschädigung an. Der Ansatz greift einen Vorschlag der Partei Authentizität und Modernität (PAM) auf, die die Parlamentswahl am 23. September gewonnen hatte.

Wie teuer die Verdopplung wird und wie sie finanziert werden soll, nennt das Programm nach den vorliegenden Berichten nicht. Zum Vergleich: Die Nationale Agentur für Sozialhilfe (ANSS) verzeichnete von Dezember 2023 bis Dezember 2025 Pauschalhilfen von 18,2 Milliarden Dirham an rund 1,47 Millionen Haushalte. Für 2026 sind laut ihrem Jahresbericht neun Milliarden Dirham vorgesehen.

Strom, Renten und Wohnraum

Haushalte, die Anspruch haben, sollen zudem einen automatischen Ausgleich für ihre Stromrechnung am Hauptwohnsitz erhalten – bis zu 100 Dirham im Monat, ohne Antrag und ohne Behördengang. Die gesetzliche Mindestrente soll schrittweise auf 3.000 Dirham pro Monat steigen; die Reform soll im sozialen Dialog ausgehandelt werden. Witwen sollen künftig 100 statt bisher 50 Prozent der Rentenansprüche ihres verstorbenen Ehepartners erhalten.

Auf dem Land will die Regierung 100.000 Wohnungen in aufstrebenden Ortszentren bauen oder sanieren. Berechtigte Haushalte sollen dafür einen direkten Zuschuss von 40.000 Dirham, kostenlose technische Beratung und vereinfachte Bauvorschriften erhalten.

Jugend und Beschäftigung

Ab 2027 soll ein territoriales Programm jährlich 100.000 junge Menschen bedarfsgerecht ausbilden und weiteren 100.000 eine erste Berufserfahrung ermöglichen. Die Ausbildungsplätze sollen auf 150.000 bis 200.000 pro Jahr wachsen. Hintergrund ist die hohe Zahl junger Menschen ohne Job und Ausbildung: Le360 nennt 2,9 Millionen 15- bis 29-Jährige.

Am Mittwoch, dem 21. Oktober, berät nun auch die Zweite Kammer, das Haus der Räte, in einer Plenarsitzung über das Programm. Wie die Versprechen in den Haushalt 2027 einfließen, dürfte sich in den kommenden Wochen in den parlamentarischen Beratungen zeigen.

Quellen: Morocco World News, Le360

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