
Die USA sind in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 zum wichtigsten Lieferanten von Erdölprodukten auf dem Seeweg nach Marokko aufgestiegen und haben damit Russland und Spanien überholt. Das geht aus Schiffsdaten von Kpler, Vortexa und der London Stock Exchange Group (LSEG) hervor, über die Hespress berichtet.
US-Lieferungen mehr als verdoppelt
Nach diesen Daten stiegen die amerikanischen Lieferungen von durchschnittlich 25.000 auf 61.000 Barrel pro Tag – ein Plus von mehr als 140 Prozent. Russland liegt mit 50.000 Barrel pro Tag auf Rang zwei, ein Zuwachs von 28 Prozent. Spanien, lange ein traditioneller Hauptlieferant, fiel dagegen um 21 Prozent auf 35.000 Barrel pro Tag zurück.
Auch andere Herkunftsländer gewinnen an Gewicht: Die Türkei steigerte ihre Lieferungen von 10.000 auf 22.000 Barrel pro Tag, die Niederlande vervielfachten ihre Mengen auf das Fünffache und kommen nun auf 20.000 Barrel pro Tag.
Gesamtimporte um neun Prozent gestiegen
Insgesamt importierte Marokko von Januar bis September durchschnittlich 271.000 Barrel Erdölprodukte pro Tag auf dem Seeweg. Im Vorjahreszeitraum waren es 249.000 Barrel, was einem Anstieg von neun Prozent entspricht. Der Monatsspitzenwert lag im März bei 349.000 Barrel pro Tag; im September sank das Volumen auf 253.000 Barrel.
Marokko ist bei Kraftstoffen weitgehend auf Importe angewiesen, seit die einzige Raffinerie des Landes, die Samir-Anlage in Mohammedia, ihren Betrieb eingestellt hat. Die Herkunft der Lieferungen hängt deshalb stark von Preisen und Verfügbarkeit auf dem Weltmarkt ab.
Preisdruck an den Tankstellen
Die Verschiebung fällt in eine Phase steigender Kraftstoffpreise. Zu Beginn des Novembers stieg der Dieselpreis um 50 Centimes bis einen Dirham pro Liter, an einzelnen Tankstellen näherte er sich der Marke von 17 Dirham. Die Regierung kündigte daraufhin eine neue Runde direkter Hilfen für Personen- und Gütertransportunternehmen an. Die Anträge sollen ab dem 10. November über die Online-Plattform mouakaba.transport.gov.ma möglich sein; die Unterstützung deckt einen Zeitraum von 15 Tagen ab. Ziel sei es, Transportbetreiber gegen Schwankungen der Erdölpreise abzufedern, so die Regierung.
Wie sich die stärkere Abhängigkeit von US-amerikanischen und russischen Lieferungen langfristig auf Versorgungssicherheit und Preise auswirkt, geht aus den vorliegenden Daten nicht hervor. Klar ist: Die Einkaufsstruktur Marokkos hat sich binnen eines Jahres deutlich verschoben.
Quellen: Hespress English, Hespress English (Transporthilfen)


