
Eine Petition, die ein Ende der touristischen Nutzung von Schlangen, Berberaffen und Pferdekutschen in Marrakech fordert, hat mittlerweile mehr als 18.000 Unterschriften gesammelt. Die Initiative richtet sich an den Stadtrat von Marrakech sowie an lokale Behörden und beschreibt den Umgang mit Tieren auf dem berühmten Platz Jemaa el-Fna als „dringendes“ Tierschutzproblem, das sofortiges Eingreifen erfordere.
Schlangen ohne Schatten und Wasser
Die Petition wirft den Schlangenbeschwörern vor, Kobras, Vipern und andere Arten ohne ausreichenden Schatten oder Wasser auf dem heißen Beton der Jemaa el-Fna zu halten. Einige Tiere erlitten demnach Maulverletzungen und könnten innerhalb weniger Tage oder Wochen unter diesen Bedingungen verenden. Die Unterzeichner fordern ein Verbot der Schlangenshows sowie die Beschlagnahmung der eingesetzten Reptilien, die anschließend in Auffangstationen oder – wo möglich – in geeignete natürliche Lebensräume gebracht werden sollen. Auch der Einsatz von Berberaffen, einer in freier Wildbahn gefährdeten Art, steht im Fokus der Kampagne: Jungtiere würden ihrem natürlichen Lebensraum entnommen und tagsüber an der Leine vorgeführt, was laut Petition sowohl Tierschutz- als auch Artenschutzfragen aufwirft. Bereits 2023 hatte National Geographic über den Einsatz von Berberaffen zur Touristenunterhaltung auf der Jemaa el-Fna berichtet.
Auch Kutschpferde im Visier
Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne sind die Pferdekutschen, die Touristen durch die Stadt fahren. Der Petition zufolge müssen manche Pferde bei extremer Hitze schwere Kutschen ziehen, ohne ausreichende Ruhepausen, tierärztliche Versorgung oder Schutz vor Verletzungen zu erhalten. Marrakech verfügt zwar bereits über Kontrollmechanismen: Die Organisation SPANA (Society for the Protection of Animals Abroad) erklärt, Kutschpferde würden regelmäßig technisch untersucht und identifiziert, während ihr Marrakech-Programm tierärztliche, Huf- und Zahnbehandlungen anbietet. Dennoch berichteten Touristen auf Tripadvisor wiederholt von Pferden, die ohne Schatten oder Wasser in großer Hitze ausharren mussten – ein Reisender will sogar beobachtet haben, wie ein Pferd während der Fahrt zusammenbrach. Auch die Tierschutzorganisation Network for Animals dokumentierte bereits 2025 Fälle von Hitzestress, Dehydrierung und Erschöpfung bei Kutschpferden in der Stadt.
Abwägung zwischen Tradition und Tierschutz
Die Petition fordert von den Behörden strengere Kontrollen, regelmäßige tierärztliche Untersuchungen für Kutschpferde sowie finanzielle und rechtliche Konsequenzen bei Verstößen gegen den Tierschutz. Die Kampagne fällt in eine Zeit, in der Marrakech verstärkt damit ringt, seine traditionsreichen touristischen Attraktionen mit wachsenden Tierschutzbedenken in Einklang zu bringen – ein Spannungsfeld, das angesichts der steigenden Besucherzahlen der Stadt eher zu- als abnehmen dürfte.
Quellen: Hespress English, Yabiladi


