Großbritannien sondiert Beschaffungsabkommen mit Marokko: 33-Milliarden-Pfund-Markt im Blick

Terminal 2 des Flughafens Mohammed V in Casablanca mit Passanten im Vorplatzbereich

Foto: Sharon Hahn Darlin, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die britische Regierung hat am 26. August eine öffentliche Konsultation gestartet, um ein mögliches Beschaffungsabkommen („Government Procurement Agreement“, GPA) mit Marokko auszuloten. Ziel ist es, britischen Unternehmen einen transparenten und fairen Zugang zu öffentlichen Aufträgen in Marokko zu verschaffen – einem Markt, dessen Volumen die britische Regierung in den kommenden Jahren auf umgerechnet rund 33 Milliarden Pfund (etwa 415 Milliarden Dirham) beziffert. Mit dem „Call for Evidence“ bittet London britische Firmen, ihre bisherigen Erfahrungen bei der Teilnahme an marokkanischen Ausschreibungen zu schildern – die Ergebnisse sollen in mögliche weitere Verhandlungen einfließen.

Noch keine Einigung, sondern eine erste Bestandsaufnahme

Bislang gibt es zwischen dem Vereinigten Königreich und Marokko kein Handelsabkommen, das den Zugang zu öffentlichen Beschaffungsmärkten regelt. Marokko ist zudem kein Mitglied des WTO-Beschaffungsübereinkommens (GPA), sodass britische Anbieter bei marokkanischen Ausschreibungen bislang keine rechtlich abgesicherte Gleichbehandlung genießen. Die jetzt gestartete Konsultation befindet sich nach Angaben der britischen Regierung in einem frühen Stadium; ob und wann ein tatsächliches Abkommen folgt, hängt vom Ausgang weiterer Gespräche zwischen London und Rabat ab.

Handelsvolumen hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt

Hintergrund der britischen Initiative ist die spürbar gewachsene Wirtschaftsbeziehung beider Länder: Der bilaterale Handel belief sich in den vier Quartalen bis Ende 2025 auf rund 4,7 Milliarden Pfund (etwa 59 Milliarden Dirham) und hat sich damit seit Inkrafttreten des UK-Marokko-Assoziierungsabkommens 2021 mehr als verdoppelt. Die britischen Exporte nach Marokko stiegen um 17,2 Prozent auf 2,1 Milliarden Pfund, die Importe aus Marokko legten um 5,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Pfund zu.

Fußball-WM 2030 als zusätzlicher Antrieb

Ein wichtiger Treiber für das britische Interesse ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2030, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet. Bereits im Sommer hatte das britische Außenministerium angekündigt, heimische Unternehmen bei der Bewerbung um WM-bezogene Infrastrukturprojekte zu unterstützen – von Stadiondesign über Verkehrssysteme bis zu Sicherheitstechnik. „Von Stadiondesign bis zu Verkehrssystemen verfügen britische Unternehmen über das Know-how, das Marokko für die Ausrichtung eines Weltklasse-Turniers braucht“, erklärte der britische Außenministeriumsstaatssekretär Stephen Doughty. Zu den konkret gehandelten Projekten zählen unter anderem der Ausbau des Flughafens Casablanca sowie Vorhaben in den Bereichen Gesundheitswesen, Wasserwirtschaft und Hafeninfrastruktur.

Für Marokko passt die britische Initiative in eine Serie ähnlicher Vorstöße internationaler Partner, die angesichts der anstehenden Weltmeisterschaft und laufender Großprojekte verstärkt um Anteile am marokkanischen Beschaffungsmarkt werben. Ob aus der Konsultation ein verbindliches Abkommen wird, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Quellen: Morocco World News, City A.M.

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