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Die Krise in der Straße von Hormus schlägt sich deutlich in Marokkos Handelsbilanz nieder: Zwischen März und August 2026 musste das Land nach einer Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) rund 2,2 Milliarden US-Dollar mehr für Öl- und Gasimporte aufwenden als ohne die Krise zu erwarten gewesen wäre. Allein auf Diesel entfielen davon 1,8 Milliarden Dollar. Damit liegt Marokko unter den afrikanischen Ländern mit den drittgrößten Mehrkosten – hinter Ägypten mit 5,2 Milliarden und Südafrika mit 3,5 Milliarden Dollar.
Folge der Eskalation um Iran
Auslöser der Krise waren nach Angaben von CREA die eskalierenden Spannungen zwischen den USA, Israel und Iran, die Ende Februar 2026 zu Angriffen auf iranisches Territorium führten und die Schifffahrt durch die für den globalen Energiehandel zentrale Meerenge empfindlich störten. In der Folge zogen die Weltmarktpreise für Rohöl, Ölprodukte und Flüssigerdgas (LNG) massiv an: Laut CREA lagen die asiatischen LNG-Preise im Beobachtungszeitraum im Schnitt 75 Prozent über dem vor der Krise erwarteten Niveau, europäische LNG-Preise 60 Prozent, Diesel 59 Prozent und Rohöl 35 Prozent darüber. Weltweit summierten sich die Mehrkosten für Öl-, Ölprodukt- und LNG-Importe binnen sechs Monaten auf etwa 330 Milliarden Dollar – laut CREA der größte Ölpreisschock seit dem Golfkrieg 1990.
Afrika zwischen Verlierern und Gewinnern
Für den afrikanischen Kontinent errechnet die Studie insgesamt zusätzliche Importkosten von rund 21,9 Milliarden Dollar für 32 Länder, die Öl und Gas einführen. Neben Marokko zählen Tansania (2,1 Milliarden), Kenia (1,7 Milliarden), Mosambik (1,2 Milliarden), Dschibuti (1 Milliarde), die Elfenbeinküste (900 Millionen) und der Senegal (700 Millionen Dollar) zu den am stärksten betroffenen Staaten. Dem stehen laut CREA Mehreinnahmen von rund 21,6 Milliarden Dollar bei neun afrikanischen Öl- und Gasexporteuren gegenüber, sodass sich für den Kontinent insgesamt ein vergleichsweise geringer Nettoeffekt von etwa 300 Millionen Dollar ergibt. Marokko selbst zählt nicht zu den Nutznießern: Als Nettoimporteur von Öl und Gas trägt das Land die Mehrkosten weitgehend allein, ohne kompensierende Exporterlöse. Das nachrichtliche Onlineportal Hespress berichtete über die Zahlen unter Berufung auf die Analyseplattform Attaqa, die sich wiederum auf die CREA-Daten stützt.
Belastung für Haushalt und Verbraucher
Für die marokkanische Wirtschaft kommt die zusätzliche Belastung zu einem Zeitpunkt, an dem das Land bereits mit hohen Energieimportkosten kalkuliert – Marokko deckt den Großteil seines Öl- und Gasbedarfs über Importe, da eigene Förderkapazitäten bislang begrenzt sind. Höhere Rohstoffpreise wirken sich über die Handelsbilanz aus und erhöhen mittelfristig den Druck auf staatliche Subventionsmechanismen sowie auf die Kosten für Transport, Logistik und Energieversorgung im Land. Wie lange die Störungen in der Straße von Hormus anhalten und ob sich die Preise in den kommenden Monaten wieder normalisieren, bleibt angesichts der fortbestehenden politischen Spannungen in der Region ungewiss.
Quellen: Hespress English, Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA)


