
Mit einem Investitionsprogramm von mehr als zehn Milliarden Euro bis 2030 will Marokko sein Schienennetz massiv ausbauen. Das kündigte der Chef der staatlichen Eisenbahngesellschaft ONCF, Mohamed Rabie Khlie, zum Auftakt des zweiten internationalen Forums für Investitions- und Finanzierungslösungen im afrikanischen Eisenbahnsektor an, das am 14. und 15. Oktober in Rabat stattfindet. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von König Mohammed VI.
Vom Befund zur Umsetzung
Khlie knüpfte an die Dakar-Erklärung von 2023 an und forderte, nun „von der Diagnose zu konkreten Maßnahmen“ überzugehen. Die Infrastrukturdefizite kosteten Afrika nach seinen Angaben jährlich rund zwei Prozent Wirtschaftswachstum und senkten die Produktivität um bis zu 40 Prozent. Klassische staatliche Finanzierung reiche nicht mehr aus. Das marokkanische Netz befördert nach ONCF-Angaben über 55 Millionen Fahrgäste im Jahr.
Zum Programm gehören die Verlängerung der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Richtung Marrakesch, durch die ein 630 Kilometer langes Netz entstehen soll, die Beschaffung von 660 neuen Wagen und Zügen sowie der Ausbau des städtischen Schienenverkehrs.
134 Milliarden Dirham bis 2030
Zine El Abidine Ibritel, Generalsekretär des Ministeriums für Verkehr und Logistik, sprach im Namen des geschäftsführenden Verkehrsministers von einem separaten Programm über 134 Milliarden Dirham bis 2030. Es umfasst neben der Hochgeschwindigkeitsverlängerung unter anderem Bahnanbindungen an den Hafen Nador West Med, Regionalverbindungen und 168 neue Züge und steht im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030. Ibritel forderte einen stärkeren vertraglichen Rahmen zwischen Staat und ONCF.
Klimafinanzierung als Hebel
François Davenne, Generaldirektor des Internationalen Eisenbahnverbands (UIC), verwies auf eine Studie des Verbands: Bahnprojekte in Entwicklungsländern könnten bis 2050 rund 1,8 Gigatonnen Kohlendioxid einsparen und damit Einnahmen von 27 bis 72 Milliarden US-Dollar ermöglichen. Die in der Studie zugrunde gelegten Kohlenstoffpreise von etwa 100 Euro je Tonne liegen allerdings weit über den aktuellen Marktpreisen unter 20 Euro. Zur Aktualisierung der Methodik und zur Anerkennung unter Artikel 6 des Pariser Abkommens kündigte Davenne die „MORE Alliance“ an.
Asmaa Bouraida von der Entwicklungsagentur der Afrikanischen Union (AUDA-NEPAD) betonte die Rolle der Bahn für Arbeitsplätze und Marktzugang, besonders für Binnenländer. Die größte Herausforderung bleibe, politische Prioritäten in finanzierbare Projekte zu übersetzen. Sie lobte Marokkos Atlantik-Initiative und die grüne Anleihe von 2022.
Quellen: Hespress English


