
Marokko will sich als Ziel für Geschäfts- und Kongressreisen neu positionieren – und investiert dafür in großem Stil. In Agadir soll bis Ende 2026 ein Kongresszentrum mit 5.000 Sitzplätzen eröffnen, während in Marrakesch ein noch größeres Projekt mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Teilnehmern im Bau ist. Ziel ist es, den sogenannten MICE-Tourismus (Meetings, Incentives, Conferences, Exhibitions) zu einer zweiten tragenden Säule neben dem klassischen Freizeittourismus auszubauen.
2,3 Millionen Geschäftsreisende bis 2030
Nach den Plänen der Tourismusbehörde soll das Königreich bis 2030 rund 2,3 Millionen Geschäfts- und Kongresstouristen jährlich anziehen. Das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber dem heutigen Niveau und würde Marokko in eine direkte Konkurrenz zu etablierten Kongressdestinationen wie Dubai oder Kapstadt bringen. Der Sektor gilt als besonders lukrativ, weil Geschäftsreisende im Schnitt deutlich mehr ausgeben als klassische Pauschaltouristen und zudem außerhalb der klassischen Ferienzeiten anreisen – ein wichtiger Faktor, um die Auslastung von Hotels und Infrastruktur über das ganze Jahr zu verstetigen.
Rückenwind durch den Inlandstourismus
Auch abseits des Geschäftsreisesegments zeigt der marokkanische Tourismussektor Stärke: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 registrierte der Inlandstourismus mehr als vier Millionen Übernachtungen – ein Plus von rund zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das deutet darauf hin, dass die wachsende marokkanische Mittelschicht zunehmend selbst zur tragenden Säule der Branche wird, statt allein auf ausländische Besucher angewiesen zu sein.
Die WM 2030 als Katalysator
Ein weiterer Treiber der aktuellen Investitionswelle ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2030, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet. In Casablanca prüft die Regierung derzeit ein Großprojekt im Umfeld des Turniers, während internationale Fluggesellschaften bereits reagieren: Eine Lufthansa-Tochter kündigte an, ihr Marokko-Angebot ab dem Winter 2026 auszubauen, und das Land verstärkt seinen Marktauftritt auf internationalen Messen wie der ITB Berlin. Die Kongresszentren in Agadir und Marrakesch dürften dabei auch als Nebeneffekt der WM-Vorbereitungen von einer verbesserten Verkehrsanbindung profitieren.


